Warum glaubst Du noch? Glaubenssätze unter dem Gesichtspunkt der Logik

von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel

Schöpfung

Der Begriff Schöpfung bedeutet hier, dass irgendetwas erschaffen worden ist. Im religiösen Sinn wird darunter die Schöpfung Gottes verstanden. Die Illusion, dass über unserer Erde Gottvater thront und aufpasst, ist unbestreitbar schön, aber leider ist die Realität eine andere. Die Astronomie hat gezeigt, dass Materie und Raum des Universums, von dem unsere Galaxie, die Milchstraße, nur einen minimalen Bruchteil darstellt, unbeschreiblich groß sind. Das Universum besteht aus ca. 100 Milliarden Galaxien, die von der Erde zum Teil mehr als 12 Milliarden Lichtjahre entfernt sind. Dabei entspricht 1 Lichtjahr einer Entfernung von 9,46 Billionen Kilometern. Bereits diese Längeneinheit können wir nicht mehr begreifen, erst recht nicht das 12 Milliardenfache. Betrachtet man zum Vergleich die Entfernung zwischen Sonne und Erde, die im Mittel 150 Millionen Kilometer beträgt, so macht sie weniger als 0,002 Prozent eines Lichtjahres aus.

Von diesen Galaxien ist die Milchstraße eine Galaxie mit einem Durchmesser von ca. 100000 Lichtjahren, sie besteht aus 100 – 200 Milliarden Sternen. Einer von ihnen ist die Sonne als Zentrum unseres Planetensystems. Und der Planet Erde rast bei seinem Umlauf um die Sonne mit einer Geschwindigkeit von über 100000 km/h durch das Weltall, wir, die wir auf der Erde leben, merken das nicht. Dabei expandiert das gesamte Universum mit sehr hoher Geschwindigkeit. Relativ dazu muss uns ein Autorennen der Formel 1 wie ein Schneckenrennen erscheinen. Warum sollte ein Gott, ein Schöpfer, so etwas erschaffen? Und wohin expandiert unser Universum, hat Gott den dafür erforderlichen Raum freigehalten? Wie kann man die unfassbaren Ausmaße des Weltalls unter dem Gesichtspunkt des Glaubens auch nur annähernd sinnvoll erklären? Die Kirche sagt, dass »Gottes Ratschluss unergründlich sei«, jedoch sind wir in der heutigen Zeit mit solch einer »Erklärung« nicht mehr zufrieden zu stellen.

In der Evolution, jetzt Bestandteil der kirchlichen Lehre, hatte Gott alles so eingerichtet, dass in diesem Prozess auch der Mensch entstehen konnte, sagt die Kirche. Hatte er also zu diesem Zweck das riesige Universum erschaffen, damit dabei die relativ klitzekleine Erde abfiel und der Mensch sich dort entwickeln konnte? Die Möglichkeit, dass es irgendwo im All etwas geben mag, was wir als Leben bezeichnen würden, kann bei dieser Betrachtung keine Rolle spielen. Das Universum ist ein Faktum. Berechnungen darüber können wir inzwischen viele anstellen, aber mehr wissen wir bislang nicht. Spekulieren kann man viel, und glauben noch mehr.

Nicht wenige Christen auf der Welt glauben immer noch an eine Schöpfung der Erde im Sinne des Alten Testaments, und Ihr Gott soll dabei ebenso den Menschen mit all seinen Fähigkeiten geschaffen haben. Nun, wir wissen mittlerweile detailliert, wie etwa das Sehen mit den Augen oder das Hören mit den Ohren funktioniert. Ein Schöpfer dieser beiden Wahrnehmungsorgane müsste ein Biochemiker ersten Ranges gewesen sein. Und er müsste dazu ein ausgezeichneter Akustiker gewesen sein, der präzise gewusst hätte, welchen Frequenzbereich er dem menschlichen Ohr zumuten konnte. Oder man denke an den so genannten Zitronensäurezyklus, der in unserem Zellstoffwechsel als Kreislauf einer ganzen Reihe von biochemischen Reaktionen den oxidativen Abbau von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißstoffen bewirkt, wodurch Energie gewonnen wird und Zwischenprodukte für Biosynthesen bereitgestellt werden. Auch dieser zentrale Kreislauf würde in seiner Gesamtkonzeption die überragende wissenschaftliche Fähigkeit eines Schöpfers offenbaren. Jahr für Jahr hätte Gott als Wissenschaftler konkurrenzlos den Nobelpreis verliehen bekommen müssen, und er müsste ihn weiterhin erhalten. An Themen dafür besteht kein Mangel, wie ein Blick in ein Lehrbuch der Biochemie sofort zeigt. Aber das Nobelpreiskomitee sieht das regelmäßig anders.

Letzte Änderung: 01.08.2011

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Leserbeiträge

  1. Beitrag von Udo Weber

    Ich habe bisher von keinem Gläubigen eine einleuchtende Antwort auf die Frage bekommen:
    Warum hat ein Gott überhaupt diesen Schöpfungsakt vollbracht ?

    In seiner Allmacht muß er gewusst haben, was ihn bei seiner Schöpfung erwartet, dessen Krönung wir angeblich sein sollen!
    Oder wollte er nur Bewunderer seiner Allmacht? Hat er die Rolle eines schüchternen Voyeurs, zusehen und sich unterhalten lassen? An seiner Stelle, hätte ich mir nicht nur ein Abbild meiner geschaffen, sondern jemand Gleichwertiges. Nicht etwas, an dem ich mich selbst erhöhen kann.
    Oder sind wir vielleicht nur das Resultat göttlicher Langeweile ??

    Erstellt am 01.01.2010

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