von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel
Der Stierkampf ist in Teilen Südeuropas eine Volksbelustigung. Obwohl nach einer Umfrage z.B. immer mehr Spanier gegen Stierkämpfe sind, gehört der Stierkampf aber immer noch zum öffentlichen Leben in Spanien. So sind die Befürworter dieser Hinrichtung von Tieren der Meinung, dass der Stierkampf zu ihrer kulturellen Identität gehört. Da ein Stierkampf durch nichts moralisch zu rechtfertigen ist, stellt sich die Frage, wie diese Menschen den Begriff Kultur eigentlich definieren. Denn die Tiere werden dabei systematisch zu Tode gequält.
Tiere sind Geschöpfe Gottes, sagt die Kirche. Kein Pastor einer christlichen Kirche, der ernst genommen werden will, darf heutzutage je behaupten, dass Tiere gequält werden dürfen. Jesus von Nazareth liebte die Tiere, heißt es, er soll die Tierhändler mit einer Peitsche aus dem Tempel getrieben und die Tiere dann freigelassen haben. Er soll auch Vegetarier gewesen sein, da er keine Tiere essen wollte. Die christliche Kirche hat diese Einstellung lange bekämpft.
Wie kann ein Christ, und die Spanier sind ja erzkatholisch, von solch einer Tierquälerei überzeugt sein? Wie kann es möglich sein, dass ein Christ eine Stierkampfarena überhaupt betritt? Daraus kann man nur den Schluss ziehen, dass es mit der Gläubigkeit dieser Menschen wohl nicht weit her sein kann. Sie gehen zwar brav in die Kirche, sie bekreuzigen sich ehrfurchtsvoll, nehmen an Prozessionen teil, nur wirklich gläubig sind sie nicht! Denn wer Christ sein will, der muss sich auch christlich verhalten. Und ist es nicht toll, wie der Vatikan nicht müde wird, gegen diese sanktionierte Tierquälerei zu Felde zu ziehen? Die katholische Kirche unternimmt nichts, um diese Tierquälerei zu unterbinden. Sei es deswegen, weil die spanischen Priester von Spenden u.a. der Stierkampfindustrie abhängig sind, oder sei es aus dem Grund, dass man es sich mit so vielen treuen Kirchgängern nicht verderben will. Verlierer ist auf jeden Fall wieder einmal die »göttliche Wahrheit«.
Beim Thema Stierkampf wird offensichtlich die vorgeblich christliche Moral geradezu pervertiert. Im spanischen Ort Pamplona werden alle Jahre zu Ehren des Schutzpatrons San Fermin Stiere durch die Straßen der Altstadt in die Arena gejagt, wo sie dann von Toreros getötet werden. Dabei ertönt der Schlachtruf: »Es lebe der Heilige San Fermin«. Was für eine zutiefst heilige Verhaltensweise, bei der man unschwer erkennen kann, dass die Religion der ach so gläubigen Spanier, natürlich sind alle katholisch, eine reine, barmherzige und tiefmoralische Angelegenheit ist. Dazu werden bis zu 1 Million Touristen aus aller Welt erwartet, die endlich einmal die spanische Kultur kennen lernen möchten. Und die erleben möchten, was christlicher Glaube in praxi bedeutet.
Neben den Stieren haben die Spanier auch zu anderen Tieren eine wahrlich christliche Beziehung. In Llanos de la Cruz (Andalusien) werden Tauben, Hühner und Kaninchen an einem Pfahl festgebunden und dann gesteinigt. Anders machen es die Gläubigen in Cardejon, was in Kastilien-Leon liegt. Hier werden die Tiere zunächst bis zum Hals eingegraben. Dann kaufen sich Menschen, die mit dem Homo sapiens offenbar nichts zu tun haben, als Spende für die Jungfrau Maria Steine, mit denen sie nach diesen Tieren werfen. Wer dabei ein Tier am Kopf trifft, darf es mit nach Hause nehmen, sofern es überlebt hat. Daran kann man unschwer erkennen, wie barmherzig doch mitunter so ein Spanier ist. Und er ist sicherlich »stolz wie ein Spanier« auf sein christliches Herz. Jetzt ist mir endlich klar geworden, was das eigentlich bedeutet, »stolz wie ein Spanier« zu sein. Denn bislang war ich der Überzeugung, dass dies ein leerer Spruch ist. Ist er das?
Letzte Änderung: 22.07.2011
Es gibt sicherlich noch weitere widersprüchliche Argumente der Kirche. Sollte dem Leser solch ein Widerspruch auffallen, so kann er diesen gerne dem Verfasser und den anderen Lesern mitteilen.
Die Mitteilung sollte relativ kurz und prägnant sein und kann über die Kontaktseite oder als Leserbeitrag in Eingabeformular am Ende dieser Seite versendet werden.
Beitrag von Nadine1978
Ja, Tierquälerei ist tatsächlich eine merkwürdige Art, einen Heiligen zu ehren.
Erstellt am 03.06.2011
Beitrag von Marie-Luse Kober
Seit wann – um Himmels Willen – kümmert sich denn die kath. Kirche um GEBORENES Leben? UNGEBORENES – ja, das wird geschützt bis hin zur Unter-Strafe-Stellung der Verhütung, von einer Abtreibung ganz zu schweigen. Wenn so ein Wesen dann geboren wird – ja, dann braucht es Idealisten, sicherlich auch katholische, damit es ein lebenswertes Leben genießen kann.
Und dann Tiere???
Schließlich hat Gott im Nicht-Existenten Paradies dem Menschen die Herrschaft über die Natur gegeben. Was im göttlich-männlichen Sinn nicht mit Verantwortung sondern mit Willkür gleichgesetzt werden muss.
Als Abraham von Gott den Auftrag bekam, seinen Sohn Isaac zu opfern (kann überhaupt jemand nachvollziehen, wie sadistisch das ist?), um dann, nachdem dieser Mann »schweren Herrzens« das Messer gehorsam erhob, »April,April« zu sagen: »Ich will keine Menschenopfer«, so war da doch ein Tier, ein Widder, angebunden, der alternativ getötet wurde.
Im Tempel in Jerusalem gab es eine Rinne, in der das Blut der geschächteten Opfertiere in Strömen floss! Und Jesus hat nicht etwa diese Praxis angeprangert, sondern das Geldverdienen damit. Die Verkäufer machten einen schönen Profit mit den »reinen« Tieren. Und die Geldwechsler bestimmten den Untauschkurs, auch ein lukratives Geschäft. DAGEGEN hat Jesus gewettert!
Erstellt am 29.07.2011
Beitrag von jürgen reimann
Diese Ignornz der Befürworter von Stierkämpfen widert auch mich schon lange an. Dass die Spanier ein ziemlich frommes Völkchen – natürlich im wesentliche katholiken -sind, hat nach meiner Erkenntnis mit wirklicher Moral absolut nichts zu tun. Die meisten »Frömmlinge« in unserer Welt beten doch im Grunde nur für ihr ganz persönliches Seelenheil, um sich ihren Platz im Himmel zu sichern. Für mich als Ex-DDR-Bürger tun sich zwischen dem Gebahren des Klerus und der damaligen Staatsführung der DDR unverkennbare Parallelen auf. Hier wie dort wird und wurde eigentlich nur auf das Lippenbekenntnis des »Gemeinde(Partei)-Mitgliedes« Wert gelegt. Diese Erziehung zur Heuchelei und Selbstverleumdung ist in meinen Augen eines der größten Verbrechen an der Menschlichkeit überhaupt. Beide Ideologien, so gegensätzig sie auch auf dem ersten Blick erscheinen mögen, würden – wenn sie tatsächlich – und das kategorisch von jedem Individuum in der Praxis tatsächlich gelebt – könnten durchaus zum Wohle der Menschheit dienen.
Erstellt am 14.10.2011