von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel
Das Alte Testament berichtet im 1. Buch Mose, auf Griechisch Genesis genannt, in seinem Schöpfungsbericht von der Erschaffung der Welt. Dabei waren Adam und Eva die ersten Menschen, von denen alle, die nach ihnen geboren wurden, abstammten. Sie lebten zunächst im Paradies, man spricht auch vom Garten Eden, aus dem sie später vertrieben wurden. Aus ihrer Beziehung gingen Kain und Abel und noch andere Söhne und Töchter hervor. Und Kain fand eine Frau, heißt es. Da seine Eltern die ersten Menschen auf der Erde gewesen sein sollen, muss sie seine Schwester gewesen sein. Auch ein weiterer Sohn, Set, hatte Söhne und Töchter, über deren Mutter man genauso wenig erfährt. Es wurden Kinder und Kindeskinder geboren, und so entstand die gesamte Menschheit. Diese Zeugung der Nachkommen muss somit der reinste Inzest gewesen sein.
Als dieses Märchen endgültig nicht mehr zu halten war, gab auch der Vatikan 1996 zu, dass alles Leben durch die Evolution entstanden ist. Das bedeutet gleichzeitig, dass es das Paradies von Adam und Eva, zuvor ein zentraler Glaubensinhalt der Kirche, gar nicht gegeben hat. Jeder Gläubige müsste sich darum hochgradig veralbert vorgekommen sein. Wenn in früheren Zeiten jemand öffentlich so etwas behauptet hätte, dem hätte die Kirche einen Bund mit dem Teufel vorgeworfen.
Heute, nachdem an der evolutionären Entwicklung des Lebens und damit der Menschheit nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft kein Weg mehr vorbeiführt, sagt die Kirche, das alles sei nur sinnbildlich gemeint. Durch diese Schöpfungsgeschichte nämlich sollten das Wesen des Menschen dargestellt und Charakterfehler aufgezeigt werden. Aber vor weniger als sechzig Jahren hätte kein Priester je in seiner Predigt gesagt, dass es in Wirklichkeit gänzlich anders abgelaufen sei. Stets hieß es, dass Adam und Eva die ersten Menschen auf der Welt waren. Er hat es bedenkenlos selber geglaubt, da es die offizielle Lehrmeinung der christlichen Kirchen war. Noch 1950 hatte Papst Pius XII. ausdrücklich darauf hingewiesen, dass wir alle von einem einzigen Menschenpaar abstammen würden. Papst Johannes Paul II. hatte jedoch das Gegenteil behauptet, er sprach sich für die Evolutionstheorie aus. Und da nach katholischer Lehre beide Päpste in wichtigen Dingen unfehlbar waren, und das war wichtig, muss einer von ihnen nicht die Wahrheit gesagt haben, obwohl er sie kannte. Denn wer unfehlbar ist, der muss ohne Zweifel die Wahrheit kennen! Nein, hier geht es allein um den Versuch, von dieser althergebrachten kirchlichen Lehre wenigstens etwas zu retten.
Das Alte Testament beginnt also mit dem Märchen vom Paradies und Adam und Eva. Natürlich wusste der Erzähler (Mose) bereits von der Evolution, durch die letztlich der Mensch entstanden ist, aber ein Paradies, mit dem alles angefangen haben soll, ist halt etwas anderes, mag er sich gedacht haben. Hört danach in diesem Buch das Märchenerzählen auf oder geht es so weiter? Es geht so weiter. Auch die Geschichte von der Arche Noah gehört in den Bereich der Sagen. Die heutige Theologie geht davon aus, dass deren Bedeutung nicht in ihrem historischen Gehalt, sondern in ihrer theologischen Aussage liegt. Und die ist Sache der Interpretation, sodass man hier wie bei vielem beliebig und damit wunschgemäß interpretieren kann, da sind einem nur wenig Grenzen gesetzt.
Warum müssen denn solche Märchen interpretiert werden? Weil sie in der Bibel stehen, und weil vieles von dem, was in der Bibel steht, Gottes Wort sein soll. Und das sei oft nicht so gemeint, wie es dort geschrieben stehe, sagt die Kirche heute. Gottes Wort sei nicht einfach Gottes Wort, und drum werde interpretiert. Früher war das anders, da war alles so gemeint, wie es geschrieben steht. Die evangelikalen Christen und die Kreationisten nehmen die Bibel hingegen nach wie vor wörtlich, wie es die Kirche jahrhundertelang getan hat, als sie nämlich noch nicht interpretieren konnte. Kinder glauben auch an Märchen, aber wenn dann der Verstand kommt, hört das bei ihnen auf.
Letzte Änderung: 12.11.2011
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Beitrag von J.C. Rübsam
Es ist in der Bibel ebenfalls davon die rede, dass ihr netter Sohn und Brudermörder zu anderen Menschen ging und sich dort niederlaß. Es muss also andere Menschen bereits gegeben haben. Es scheint mir jedenfalls anhand dieses Mythos so zu sein, dass die Geschichte zuerst nur die Erschaffung der Israeliten zeigen sollte und es im nachhinein erweitert wurde, als sich das Judentum immer weniger als Stammesreligion sahen
Erstellt am 06.03.2011