Warum glaubst Du noch? Glaubenssätze unter dem Gesichtspunkt der Logik

von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, Wolfenbüttel

Seele

Gemäß der Lehre der christlichen Kirchen ist die Seele der immaterielle Teil eines Menschen, sie beinhaltet die Gesamtheit seiner Empfindungen und Charaktereigenschaften. Nach der Evolutionstheorie, die auch der Vatikan inzwischen bestätigt hat, ist der Mensch aus dem Affen ähnlichen Wesen hervorgegangen. Dabei geht die Entwicklung des Homo sapiens, des heutigen Menschen, über mehrere Stufen bis zum affenähnlichen Vormenschen zurück, der in einer subhumanen Entwicklungsphase lebte. Nun sagt die christliche Kirche, dass jeder Mensch eine Seele habe, ein Tier jedoch nicht. Das würde bedeuten, dass irgendeine Vorstufe, in welcher noch das tierische überwog, noch keine Seele hatte. Aber wo liegt hierbei die Grenze? Oder hatten die Vormenschen in Vorbereitung auf kommende Entwicklungsphasen, sozusagen aus praktischen Gründen, schon mal eine Seele? Man kann an diesem praktischen Beispiel wieder einmal sehen, dass die christlichen Kirchen durch das überfällige Eingeständnis der Evolution in große Erklärungsnöte gekommen sind.

Trotzdem haben es die Tiere besser getroffen, denn es gibt ja auch böse Tiere. Die Seelen der bösen Menschen müssen nämlich, so sagt der Katechismus, in der Hölle auf ewig heiße Höllenqualen erleiden. Allerdings ist die Sache im Katechismus nicht richtig durchdacht worden. Wenn eine Seele der immaterielle Teil des Menschen sein soll, dann hat sie natürlich keine Nerven. Die braucht man aber, um Schmerz, Hitze oder Kälte empfinden zu können. Es empfiehlt sich, der Kirche bei der Formulierung der Höllenqualen noch etwas Zeit zu lassen, bis sie von selbst darauf kommt, dass das nicht funktionieren kann.

Letzte Änderung: 29.11.2011

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Leserbeiträge

  1. Beitrag von Bodo Legband

    Guten Abend Herr Hillebrand,
    bezüglich der Seele hab ich mal gelesen, daß die (katholische?) Kirche auch den nichtmenschlichen Tieren neuerdings eine Seele zuspricht, allerdings im Gegensatz zum Menschen keine »unsterbliche« Seele, sondern quasi nur eine »Einwegseele«.
    Freundliche Grüße von
    Bodo Legband
    P.S.: Vielen Dank für Ihre Seite!

    Erstellt am 28.10.2008

  2. Beitrag von junia

    Also ward der Mensch eine lebendige Seele. Da steht nicht: »Also hat der Mensch eine lebendige Seele (bekommen).

    Und von unsterblich ist da auch keine Rede. Im Gegenteil. Der Baum des Lebens wurde direkt nach dem Sündenfall gesperrt. Das Neue Testament ist da mit dem Alten Testament irgendwie im Wiederspruch.

    Im AT ist der Mensch tot, wenn er stirbt und wie des Grases Blume. Dafür gibt es Ausnahmen, wo Menschen wie Elia oder Henoch mit Fleisch und Blut in den Himmel fahren.

    Merkwürdigerweise fährt Jesus ja auch mit Fleisch und Blut in den Himmel, obwohl er vorher noch gepredigt hat: »Fleisch und Blut werden das Himmelreich nicht sehen.«

    Die ersten Christen oder ein Teil von ihnen legte noch sehr viel Wert darauf, dass Jesus wirklich auferstanden ist mit Fleisch und Blut. Um das zu beweisen, durfte der Zweifler Thomas seine Hand in Jesu Wunden legen – während alle anderen Zweifler für die schwere Sünde des Zweifelns ins ewige Feuer wandern, wenn sie zweifelnd sterben. Wie ungerecht.

    Es scheint ja auch so, dass Jesus das Gottesreich auf der Erde erwartete. Da es nicht kam – jedenfalls nicht sichtbar und erkennbar, waren die Jünger gezwungen, das Gottesreich in den Himmel zu verlegen. Dafür muss man aber eigentlich nicht auferstehen, denn Fleisch und Blut können ja nicht in den geistigen Himmel. Und um Jesus in den Wolken entgegengerückt zu werden, werden sie ja »verwandelt werden in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune« wie Paulus so schön schreibt. Sie bekommen dann einen geistigen Leib. Ja, der geistige Leib, der durch verschlossene Türen gehen kann, den kann man eigentlich nicht mit einem fleischlichen Leib anfassen und fühlen oder sehen. Ist also Jesus vielleicht gar nicht mit seinem Leib auferstanden, sondern war nur eine sichtbar gemachte geistige ERscheinung? Oder ist er erst fleischlich auferstanden und hat sich dann verwandelt?

    Leider konnte der Heilige Geist die Angelegenheit auch nicht klären, obwohl Jesus vom Heiligen Geist sagte: »Er wird euch führen und in alle Wahrheit leiten.«

    Das wundert mich sehr, wieso es dem Heiligen Geist nicht gelungen ist, alle widerstreitenden Parteien zu einen, indem er dafür sorgte, dass sie alle gleichermaßen die Wahrheit erfahren? Daran hätten wir ihn ja erkennen können.

    Erstellt am 31.10.2010

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